PROJEKT  „WERKSHALLE“

 

Ich erinnere mich noch ganz genau, als ich im Jahre 2015 das erste Mal vor diesem historischen Ensemble einer ehemaligen Pappen und Kartonagenfabrik direkt am Waldrand des Taunus stand -eher skeptisch sah ich mir seinerzeit die Gebäude an und ahnte damals nicht, was da auf mich zukommen sollte....

 

Ich hatte gerade eine schöne historische Villa in Oberursel saniert und suchte mal wieder einen Anschlussauftrag. Mein damaliger Bauherr meinte, er würde in Bad Homburg–Dornholzhausen jemanden kennen, den ich doch mal anrufen solle; vielleicht könne sich da etwas ergeben. So machte ich mich nach einigen Telefonaten auf den Weg dorthin und lernte meine zukünftigen neuen Bauherren kennen.

 

Das war am 16. Juni 2015.

 

Die ehemalige Pappen und Kartonagenfabrik „Forellenteichmühle“ besteht aus einer U-förmigen Bebauung mit einem Innenhof. Zu Linken befindet sich das eigentliche massive Produktionsgebäude; zur rechten die sogenannte „Trockenhalle“; der Verbindungsbau war das Wohnhaus der Eigentümer Ludwig Kriesler. Von vorne unscheinbar und unspektakulär, sah ich zum ersten Mal den „Forellenteich“ unmittelbar hinter dem Gebäude gelegen. Dieser Teich speiste früher die Mühle zum Betrieb der Fabrik und wurde noch bis zum Sommer 1962 Jahre als private öffentliche Badeanstalt betrieben; heute zeugen nur noch die ehemaligen Umkleidekabinen davon.

 

Bereits Ende der 60er Jahre wurde der gepflasterte Innenhof des Anwesens überdacht und ein maschineller Pappen-Trockner aufgestellt, da das händische Aufhängen der Pappe in der Trockenhalle mühsam war und dem technischen Standard nicht mehr entsprach. Seit 1996 ist dort die Kunstgalerie Artlantis www.galerie-artlantis.de beheimatet.

 

Bereits im Jahre 1995 wurde das zur Linken stehende Backsteingebäude umfangreich kernsaniert und zu Wohnzwecken umgebaut – hier leben heute die Eigentümer der gesamten Anlage. Nur der massive und in Ziegelmauerwerk hergestellte Schornstein zeugt noch von der ehemaligen Nutzung.

 

Im Jahre 1973 wurde das Wohnhaus umgebaut – im Stil der frühen 70er Jahre. Nachdem die Bewohnerin seit 2014 verstorben war, sollte dieser Teil künftig zur Vermietung angedacht und daher umgebaut werden.

 

Die Trockenhalle zur Rechten – ein reiner Holzbau mit seitlich offenen und verstellbaren Holzlamellen und etwa in den 20er/ 30er Jahren erbaut – lag unbenutzt als Lager für nicht mehr benötigten Sperrmüll in ihrem Dornröschenschlaf; nicht weiter beachtet, mit undichtem Dach, vernagelter Fassade und keiner weiteren Funktion mehr. Im hinteren teichseitigen Bereich befanden sich 2 abgetrennte Zimmer einer ehemaligen Dienstwohnung.

 

Der Eingang in das Wohnhaus erfolgte teichseitig; in die Halle gelangte man durch eine unscheinbare Tür und eine innere Erschließung über Holzstiegen; zuvor musste man jedoch noch durch die Dienstwohnung laufen – Alles in Allem keine glückliche Lösung.

 

Die Planungen zur Umsetzung des Wohnhauses dauerten eine ganze Weile. Die Eingangssituation musste verändert, das Konzept neu geordnet, eine energetische Maßnahme geplant werden. Zum Ende des Jahres 2015 waren wir uns einig geworden und es sollte losgehen.

 

Im Herbst 2016 wurde es fertig. Es war ein tolles lichtes Penthouse geworden, mit Blick auf den See und in einer einmaligen Lage direkt am Wald.

 

Die Aufgabe war umso leichter, als das ich mich inzwischen sehr gut mit den Eigentümern verstand und wir ein freundschaftliches Verhältnis zueinander aufgebaut hatten. Damit aber nicht genug. Je näher wir uns dem Ende der eigentlichen Maßnahme näherten, wurde klar, dass auch irgendetwas mit der vernachlässigten Trockenhalle passieren musste....

 

Inzwischen hatte ich natürlich auch immer mal wieder von meinem Hobby (war auch schon mal mit dem Roller vorbeigetuckert) erzählt und eines Tages wurde die Idee geboren, hier vielleicht etwas mit „Vespa“ zu machen – sollte doch die Halle ansonsten weiterhin ihrem Schicksal überlassen bleiben und leer stehen.

 

So wurde zunächst die ehemalige Dienstwohnung innerhalb der Halle vollständig abgerissen und neu aufgebaut. Dazu musste vorher das Dach vollständig neu gedeckt werden und eine neue Zugangslösung war notwendig geworden. Während der Ausbauarbeiten wurde diese Idee immer konkreter; während der ehemalige Kuhstall und die Außenanlagen auch noch aufgearbeitet werden sollten, machte ich mich gedanklich ans „Einrichten“ der Halle.

 

Die ehemalige Trockenhalle ist etwas über 20 Meter lang und knapp über 6 Meter breit, 3 -geschossig, das oberste Geschoß ist bis unter den Dachfirst offen und knapp 6 Meter hoch! Das unterste Geschoß wird sowohl von der Kunstgalerie als auch vom Entrée der Penthousewohnung benutzt; im ersten Stock befindet sich teilweise die neue „Dienstwohnung“. Einmal vom Zustand abgesehen, gibt es sicherlich kein vergleichbares Objekt dieser Art im Rhein-Main-Gebiet.

 

Nachdem wir uns verständigt hatten, dass es ein „Museum“ werden könnte, wurden südseitig 3 große Lamellenfelder durch Festverglasungen ersetzt; war die Halle doch sonst viel zu dunkel, wenn die Lamellen geschlossen waren. Im Sommer den warmen Luftzug des Taunuswindes genießend, ließen sich die meisten Lamellen nicht mehr öffnen oder schließen; sie waren schlichtweg fest gegammelt und so machte ich mich an die Arbeit, alle Lamellen wieder funktionstüchtig zu machen.

 

In der Trockenhalle vorgefundene ehemalige Hoftore wurden umfunktioniert; heute ist eines der Torfelder die neue Zugangstür zur Halle; ein anderes befindet sich als Schiebetor strassenseitig vor der ehemaligen Verladeluke – über diese werden künftig die Vespas mit einem Kran in das Dachgeschoß hochgezogen. Dieser obere Bereich bekam eine Loggia mit Blick auf den Forellenteich sowie eine kleine WC-Anlage, die alten Bretterbohlen mussten wir aufarbeiten und ölen, bevor sie endgültig genutzt werden konnten. Dieser obere Teil der Trockenhalle – die „Werkshalle“ - wird künftig in ihrem Ursprungszustand erhalten bleiben.

 

Der untere noch zur Verfügung stehende Teil –neben der Dienstwohnung – ist immerhin noch stattliche 11 Meter lang und ebenfalls knapp über 6 Meter breit. Er ist über eine interne Holztreppe mit der Werkshalle verbunden. Da dieser Teil künftig beheizt werden soll, wurden innerhalb der Halle, ohne das äußere Bild der Lamellenkonstruktion zu zerstören, raumhohe Fenster eingesetzt. Eine satinierte Glas-Schiebetür mit unserem Rollerfahrer bildet den Zugang zur „Werkskantine“.  Eine rund 4 Meter lange und knapp 2 Meter breite „Tafelrunde“ befindet sich nun zentral im Raum; eine Kaffeetheke und weitere Sitzmöglichkeiten sollen zum Verweilen einladen.

 

Vorgesehen ist in der Zukunft, das wir uns in regelmäßig wiederkehrenden Abständen dort treffen wollen, unsere Rohrlenker aller Lizenzproduktionen dort ausstellen, die umfangreiche Hoffmann-Ausstellung zeigen, Anlaufpunkt für weitere Interessierte bilden, von dort aus Treffen oder Ausfahrten organisieren, unsere Webseite Rohrlenker.de pflegen, kleinere Reparaturen ausführen und und und....

 

Aus Haftungsgründen wird ein Verein gegründet; auch um die künftigen Kosten über vorgesehene geringe Mitgliedsbeiträge decken zu können. Wir freuen uns über jeden leidenschaftlichen Rohrlenkerpiloten - unabhängig vom Wohnort, ob fern oder nah - , der ein Teil der Tafelrunde werden möchte und laden bereits jetzt dazu ein, uns inhaltlich und/oder tatkräftig dabei zu unterstützen.....

 

Schaut euch unseren kleinen Trailer zur Werkshalle an und bekommt einen weiteren Eindruck von unserem Projekt ....

 

 

 

 

Euer Knicki